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Kleine Kehrwoche :::

Fanliebe gegen Finanzstärke

Mathias Schwappach

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Ihr Mathias Schwappach
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Eine ganz neue Diskussion um Ticketverkauf und Abzocke hat aktuell die US-Sängerin Taylor Swift angestoßen. Um bei ihrer Nordamerika-Tour dabei zu sein, müssen Fans mitunter tief in die Tasche greifen. Offiziell will man den Schwarzmarkt-Handel ausmerzen und wahre Fans bevorzugen. Trotzdem hat’s ein G’schmäckle.

So deutlich und so offensiv hat sich bislang kaum ein Act getraut, Fans zur Kasse zu bitten. Zwar ist das Spiel an sich längst bekannt: Die einen Bands haben kostenpflichtige Fanclubs, deren Mitgliedern stets etwa ein Vorkaufsrecht auf Tickets für Konzerte eingeräumt wird; so etwa kürzlich bei Guns N’Roses. Viele bitten auch die Fans bei den Ticketpreisen mittlerweile weit überdurchschnittlich zur Kasse, so etwa die Rolling Stones. Und dann gibt es da noch die Unterteilung der Innenräume: Wer vorne stehen will, muss nicht – wie es früher mal war – zeitig da sein; er muss stattdessen mehr bezahlen.

Aber warum ist das so? – Logisch: Konzerte sind mittlerweile die einzige, ernstzunehmende Einnahmequelle von Künstlern. Über die Musik lässt sich kaum mehr was verdienen. Zu leicht lassen sich Lieder für kleines Geld – oder sogar illegal umsonst – im Internet beschaffen. Was dann noch verdient wird, teilen sich Plattenfirma und Streaming-Dienste auf. Nur beim Live-Erlebnis können Künstler an Tickets und Fan-Artikeln noch verdienen.

Taylor Swift macht das nun besonders dreist: Wer sich bei „Taylor Swift Tix“ registriert und viele Daten preisgegeben hat, landet in der „virtuellen Warteschlange“. In dieser kann man sich über sogenannte „Boosts“ weiter nach vorne schieben. Ein Video anschauen – okay, läuft. Ein Foto eines speziellen Trucks posten – Glückssache.

Aber am Besten klappt’s, wenn man das Album der Sängerin oder teure Fan-Artikel kauft: Ein T-Shirt für 45 Dollar, einen Schlangenring für 60 Dollar. Das alles verbessert den Platz in der Schlange für Tickets in der erwählten Stadt, ist aber – Obacht! – kein Garant, sie auch zu bekommen! Und hier beginnt die Abzocke: „Wahre Fans“ sollen bitte möglichst viel Zeugs kaufen, um sich im Bangen um Tickets stetig zu „boosten“ – sie könnten aber in begehrten Locations am Ende dennoch leer ausgehen. Swift macht also Fanliebe an Finanzstärke fest – ob sie so wirklich ihre „wahren Fans“ erreicht? Ob ihr das überhaupt wichtig ist? – Beides darf man bezweifeln.

Freundliche Grüße samt Boost! Ihr Mathias Schwappach

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